Danke TAP! Länderpunkt Senegal auf Umwegen


Cayor Foot - Jamono Fatick 0:0

Ligue 2 (2. Liga Senegal)

06.01.18

Stade Fodé Wade (2.000)

Zuschauer: 80 (25 Gäste)

   Eintritt: 1.000 CFA (1,52€)


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Bereits im Sommer 2017 buchten Thomas, Fabse und ich uns für nur knaoo 240€ return mit TAP von Köln über Lissabon nach Dakar ein.

Der Kontinentalpunkt Afrika, sowie eine für mich komplett neue Kultur machten den Reiz absolut aus und steigerten die Vorfreude auf diese Reise. Wer sich ein wenig mit afrikanischem Lifestyle und Fussball auskennt, weiß dass es hier mit der Terminierung nicht so zugeht wie in den Niederlanden, wo zu Beginn einer Spielzeit gleich der ganze Spielplan veröffentlicht wird und man das Jahr bereits durchplanen kann. Im Senegal beginnt die Meisterschaft meist im November und setzt sich über den Jahreswechsel ohne Pause fort, so zumindest in den letzten Jahren. Im Endeffekt bleibt einem Groundhopper nur Pokern und die Spielpläne der letzten Jahre zu vergleichen um ein ungefähres Bild zu bekommen und das Risiko zumindest etwas zu reduzieren.
Zwei Tage vor Abflug wurde der Spieltag endlich fix terminiert und die Planungen konnten somit recht kurzfristig begonnen werden.
Letztendlich meinte es der Fussballgott gut mit uns, legte er uns auf Samstag + Sonntag doch je einen Doppler inkl. einem Kick im 60.000 Zuschauer fassenden Nationalstadion in Dakar.
Wir drei hielten es mit den weiteren geplanten Aktivitäten also für eine gute Tour und so konnte ich am Freitagnachmittag Fabse zu Hause einsacken um nach Köln zu fahren. Nicht ohne vorher an der Apotheke zu halten und die sündhaft teuren Malariaprophylaxe-Tabletten (rund 80€ pro Packung) abzuholen versteht sich. Die Rheinmetropole wurde ohne große Probleme erreicht und das Auto bei Thomas abgestellt. Nach kurzer Verpflegung und dem ersten Pils ging es via Carsharing zum Airport. Im Parkhaus bemerkte Thomas dann eine SMS auf seinem Handy, die er gerade erhalten hatte, Absender: TAP.
Unser Weiterflug von Lissabon nach Dakar wurde 24 Stunden nach hinten verschoben! Die Laune kippte schlagartig und der Check-In- Schalter wurde kurz vor Ladenschluss noch angesteuert.
Aufgrund der Verspätung unserer Maschine in Köln, würden wir den Anschluss nicht schaffen und müssten am Folgetag fliegen.
Somit war klar: Nationalstadion? Futsch. Doppler am Samstag? Futsch. Ein ganzer Tag im Senegal? Futsch.
Unsere Smartphones glühten nun, die Hotline von TAP, das europäische Fluggastrecht und skyscanner wurden bemüht.
Schnell kam die Einigung, dass wir erstmal nach Lissabon fliegen, dort mit TAP das weitere Vorgehen besprechen und die Airline finanziell bluten lassen. Die Dollarzeichen leuchteten in unseren Augen nachdem der erste Frust über die verpassten Spiele überwunden war.
Mit über einer Stunde Verspätung hob der rot-grüne Vogel dann auch mal ab und mit Vino vom Bordpersonal konnte man ganz gut wegpennen.
Pünktlich zum Überflug von Paris wachte ich auf und konnte den genialen Blick über die Stadt genießen.
Thomas hatte in der Zwischenzeit die gesamten Fluggastrechte studiert und uns winkten wohl 600€ Entschädigung p.P., sowie Hotel und Verpflegung!
Na bitte! 😉 #danketap
In Lissabon gelandet wurde mit zahlreichen anderen Reisenden der TAP-Schalter angesteuert und nach kurzer Diskussion hatten wir unsere Vouchers für 3 Einzelzimmer im 5* Bunker in den Händen. Die Nachfrage ob nicht auch ein Dreibettzimmer ok wäre wurde klar verneint :-)
Bei einem weiteren TAP-Schalter wollten wir mal gucken was die uns bei dem drohenden 600€ Bonus denn so bar anbieten.
Der Mitarbeiter erklärte uns die Firmenstrategie und dass man es als großes Unternehmen den Kunden so schwer wie möglich machen möchte den Schadensersatz einzutreiben. Dass das Vorgehen gegen europäisches Recht ist, schien ihn auch nicht sonderlich zu jucken...
Schlimmer als uns ging es dabei einem deutschen Pärchen, welches das gleiche Ziel hatte wie wir. Die beiden bekamen nicht den direkten Weiterflug von Lissabon sondern wurden beide getrennt in unterschiedliche Maschinen verfrachtet.
Während er über Casablanca in den Senegal fliegen sollte, durfte sich seine Freundin über 2 Stops in Toulouse und Paris freuen.
Was eine völlig beknackte Route! Einfach mal wieder 2x in die entgegengesetzte Richtung um dann wieder zurück zu fliegen?!
Hätte TAP das bei uns probiert, hätten wir wohl auf den Rückflug nach Köln bestanden...
Mit unserem gratis Taxi ging es schnell ins Olaias Park Hotel um bei einem Freibier und Ham&Cheese Sandwiches den ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen.

Unfreiwilliger Urlaubstag in Lissabon, gesponsert von TAP.


Am nächsten Tag wurden wir von der Sonne und einem tollen Blick auf's Meer geweckt und beim Frühstücksbuffet (natürlich auch gratis) wurde der Tagesplan besprochen. Da es sowieso erst am Abend nach Dakar gehen sollte, blieb Zeit um noch ein Spiel zu schauen, was bei der miesen Terminierung der Profiligen in Lissabon und Umgebung leider nicht ganz so einfach war... Da Soccerway aber für Portugal gut aufgestellt ist, wurde schnell ein Jugendspiel als Ziel für den Nachmittag ausgerufen. Mit dem über Mytaxi bestellten Gefährt wurde der Vorort erreicht und der Satz: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." passte hier besser denn je.
Der Platz war verwaist, das Spiel fand 20km außerhalb der Stadt statt, LP Portugal somit zunächst auf Februar verschoben. Der Frust war jetzt natürlich groß und ein 20er Pack Sagres Bier sollte im Hotelzimmer Abhilfe schaffen. Bei ein wenig Hotelzimmersuff und dem Rollhockey-Derby zwischen Benfica und Sporting im TV wurde sich die Zeit bis Abflug vertrieben. Die Ultras Juvenide Leonina waren mit aktivem Support bei diesem abstrusen Sport jedenfalls voll bei der Sache, sodass man sich dieses Event wohl auch live durchaus anschauen kann, wenn man vor Ort sein sollte.
Nun also ein weiteres Mal #danketap und mit dem gratis Taxi zurück zum Flughafen, wo wir auch noch drei 12€-Vouchers für Junk-Food ausgeben konnten. Auf dem Flug von Lissabon nach Dakar tat TAP   (steht übrigens für: "take another plane") sich erneut keinen Gefallen und "glänzte" mit miserablen Service ohne Whiskey (ausschließlich in der Business Class) und mit 30! Dosen Bier für ca. 100 Passagiere an Board. Schnell saßen wir also auf dem Trockenen und Thomas klärte den Chef-Steward über unser Problem auf. Fortan blinkte das Service-Lämpchen über unserer Dreierreihe ununterbrochen und einige Becher Weißwein pur (Thomas), Weißwein und Sprite (Fabse) und Coke (Ich kann Wein nichts abgewinnen...) wurden serviert.
Unterbrochen wurde der Spaß dann vom Landeanflug auf die nur zweitgrößte Stadt (1,14 Mio) nach Pikine (1,17) des Senegal.
Mit einem "Leckt mich am Arsch!" marschierte Thomas an der Crew vorbei und Fabse und Ich betraten erstmals schwarzafrikanischen Boden. Diese Unerfahrenheit zeigte sich dann auch direkt bei der Einreise...
Während Afrikaprofi Thomas seinen Reise- und Impfpass den Grenzern routiniert präsentierte, wurde der Zweitgenannte für die beiden Anfänger zum Verhängnis. Der Staatsdiener wollte uns ernsthaft glaubhaft machen, dass wir eine Gelbfieberimpfung benötigten. Blöd nur, wenn das auswärtige Amt diese nur bei Einreise aus einem gefährdeten Land vorschreibt, welches weder Deutschland noch Portugal ist. Nach langer Diskussion "Internet-information is not up-to-date." "Internet is bad." "You have to go to senegalese embassy in germany" und weiterem Bla-Bla des schwarz gekleideten Schurken, fiel ihm plötzlich ein, dass 50€ p.P. eine Gelbfieberimpfung akut ersetzen könnten. Welcome to Africa....
Wir taten mal auf dumm und zückten von unserem Bargeld nur 20€ mit dem Hinweis, dass wir nicht mehr als das haben.
Reichte dem dicken Bediensteten hinter Glas wohl aus und auch Fabse und ich konnten endlich rein ins Abenteuer Senegal.

Hinter der Sicherheitskontrolle wartete auch bereits der im Vorfeld von mir gebuchte Fahrer. Die Kommunikation mit dem Hotel Phenix Somone klappte somit trotz grauenhafter Englischkenntnisse des Personals und nachdem Geld und SIM-Karte eingesteckt waren, ging es über zum Teil erstaunlich gut ausgebaute Straßen Richtung Unterkunft. Das liegt wohl am brandneuen Airport Blaise Diagne, der vor gerade mal einem Monat eröffnet wurde und den alten im Zentrum von Dakar gelegenen Flughafen ablöst.
Von hier sinds dann auch nur 30km bis in den Ferienort nahe Saly de Portudal, wo wir die nächsten 2 Nächte pennen würden.
Mitten in der Nacht öffnete der Security-Chef die Pforten und wir betraten ein nettes Apartment, welches anscheinend frisch gestrichen wurde, warum fanden wir später noch raus....
Hundemüde klappten die Augen schnell zu und der neue/alte Tag begann gegen 09:30 am Folgetag. Das Phenix Somone erhält von uns eine klare Empfehlung, es ist modern eingerichtet, preiswert (65€/Nacht für 2 Schlafzimmer und 2 Badezimmer) und hat einen Pool, sowie den direkten Zugang zum Meer.

Unser Hotel "Phenix Simone" direkt am Strand nahe des Ferienortes Saly Portudal (ca. 25.000 Einwohner)


Nach gutem Frühstück mit Baguette, Croissants und Pain de Chocolat ging es also erstmal an den Strand und ab ins kühle Nass.
Bei gemäßigten Temperaturen um die 25 Grad war es echt auszuhalten, der erste Sonnenbrand aber ebenfalls sicher.
Nach einem kleinen Spaziergang vorbei an den vielen Hotels wurde auch schon wieder das Mittagessen geprüft, welches mit Rinderfilet und Nudeln ebenfalls astrein schmeckte.
Bei den Planungen für den Doppler am Nachmittag half dann eine Frau aus Bayern mit guten Französischkenntnissen aus, da hier wirklich kaum Englisch gesprochen wird. Ein bisschen Schulfranzösisch und sicheres Verständigen mit Händen und Füßen helfen daher ungemein. Gegen 15:30 stand dann unser Fahrer Abdullay bereit, welcher über die nächsten beiden Tagen quasi der vierte Mitreisende wurde. Bereit waren wir allerdings noch nicht, da Thomas mir den Zimmerschlüssel zuwerfen wollte und ihn dabei auf das Dach unseres Apartments katapultierte. Nachdem 4 Leute + Leiter das Teil wieder einsammelten, konnte es dann auch endlich los gehen. Ein Bild für die Götter :-)
Erstes Ziel der Tour: Das Stade Fodé Wade im Touriort Saly.
Hier zaubern normalerweise die Diambars in der Ligue 1, wobei wir heute mit dem Zweitligakracher von Cayor Foot den LP einfahren wollten. Damit also das erste Spiel im Senegal, wobei dieses Land auch mein erstes Fussballspiel im TV überhaupt maßgeblich prägte.
Manche erinnern sich bestimmt an das Eröffnungsspiel der WM 2002, wo der krasse Außenseiter den amtierenden Weltmeister aus Frankreich durch ein Tor von Papa Bouba Diop schlug und später bis ins Viertelfinale kam. Doch davon sind wir hier im Wüstensand so weit entfernt, wie der SC Paderborn von einem schönen Stadion.
Die Löwen von Tiranga (Spitzname der Nationalelf) belegen zwar aktuell den 23. Rang der Sinnlos-Cola-Weltrangliste, haben aber keinen einzigen Nationalspieler, der in der heimischen Liga aktiv ist.
Das sieht man spätestens an der Qualität des Kicks hier, der folgerichtig 0:0 endet. Da kann man wie ein Kollege neben uns auch in der Halbzeit entspannt auf dem Kunstrasenplatz seinen Gebetsteppich ausrollen, um der religiösen Pflicht nachzukommen.
Die Stimmung war gut geladen, da die Anhänger beider Teams direkt nebeneinander saßen und sich gut bepöbelten. Alles aber im freundschaftlichen Rahmen, so dass man nie das Gefühl einer Eskalation der Situation hatte.
Tickets gibt's direkt neben dem Eingang des 6! Plätze fassenden Sportareals für 1.000 Franc, so dass wir Abdullay zu diesem einmaligen Erlebnis natürlich einluden.
Der Ground kann mit 3 Tribünen mehr als erwartet, ist aber natürlich kein Kracher, was ich vom Dach des Klubhauses bestens überblicken konnte. Egal, Kontinentalpunkt 3 war eingefahren und Länderpunkt 37 ebenso.
Also ging es auf zum Dessert, welches in diesem Fall eher das Hauptgericht darstellte.


Stade de Mbour - Casa Sport 3:0

Ligue 1 (1. Liga Senegal)

06.01.18

Stade Caroline Faye (5.000)

Zuschauer: 5.500 (300 Gäste)

   Eintritt: 2.000 CFA (3€)


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Ein Doppler in Afrika? Vermutlich kommt das nicht sehr häufig vor.
Aber bei nur 5 Minuten Fahrt in die nebenan liegende Großstadt Mbour für Formel 1-Fahrer Abdullay natürlich pas de problem.
Mit knapp 250.000 Einwohnern ist sie auch größer als die schönste Stadt in unserem Sonnensystem und merklich geschäftiger, wuseliger, afrikanischer. Direkt am Stadiontor konnte der klapprige Peugeot abgestellt werden, wobei Fabse ständig das Gummi der Türverkleidung mitnahm, wenn er ausstieg. Wenige Meter waren absoviert und schon hatten wir einen 25-köpfigen Kindermob um uns herum. Schon eine komische Situation, wenn man die Hauptattraktion ist und jeder einen anfassen möchte. Abdullay bewies sich in seiner Rolle als wahrer Top-Lad und hinderte den Mob an einer Grabbel-Orgie. Nebenbei besorgte er am rappelvollen Kartenstand noch 4 Tickets für den anstehenden Erstligakracher. Das Stade Caroline Faye war bereits extrem voll und die Haupttribüne mehr als ausverkauft.
Durch ein ebenfalls viel zu volles Stadion kam es am 16.07.2017 beim Ligapokalfinale zwischen Ouakam und der heutigen Heimmannschaft zu einer Massenpanik im Demba-Diop-Stadion in Dakar. Gegnerische Fans bewarfen sich mit Gegenständen, die Polizei antwortete mit Tränengas. Eine Stadionwand stürzte ein, Resultat: 60 Verletzte, 8 Tote. Das extrem baufällige Stadion in der Hauptstadt ist daher aktuell geschlossen und somit der Grund warum überhaupt Spiele im Nationalstadion stattfinden. Schade, dass es damit gestern nicht geklappt hat, aber ich mag es sowieso lieber, wenn ich ein kleineres Stadion habe, welches picke-packe-voll ist.
Auf der Haupttribüne drehte der Heimanhang in weiss-rot schon gut frei, während auf unserer Seite gegenüber etwa 300 Grüne aus Ziguinchor, dem Handelszentrums der Casamance aus dem südlichen Teil des Senegal ihre Farben vertraten. Von der Gästeanzahl war ich schon ein wenig begeistert, obwohl die Fans von Casa kaum akustisch auf sich aufmerksam machten. Da konnten sich die zahlreichen, fliegenden Händler schon mehr Gehör verschaffen, wobei Abdullay für die ganze Crew Erdnüsse besorgte. Das Angebot war hier aber noch deutlich breiter gestreut, ähnlich wie die Scooter, die direkt vor der Gegengerade parken konnten. Das war auf jeden Fall mal ein deutlich cooleres Spiel als wenige Kilometer zuvor in Saly.
Gute Stimmung, 3 Hütten und am Ende hat man sich in T-Shirt und kurzer Hose sogar den Arsch abgefroren und das in Afrika...

Volles Kassenhäuschen und Stadion in der Großstadt Mbour.


Auf dem Weg nach draußen fragte uns der Kumpel von Abdullay in SC Schiltigheim-Jogger ob wir ihn bis Somone mitnehmen könnten.
Und schon ging es zu fünft durch das abendliche Mbour zurück zum Phenix und ab an den Tresen. Auf der Fahrt konnte Abdullay endlich mal richtig quatschen, während die 3 Kartoffeln wahlweise am Smartphone daddelten, oder dem Treiben aus dem Fenster zusahen, unterhielten sich die beiden auf Wolof, der noch immer beständigen Umgangssprache im Senegal. Bei ein paar leckeren Flag und Biere de Gazelle, wurde das Abendessen in Form von Shrimps in Chilisoße genossen, ehe es zeitig in die Kiste ging. Am Folgetag sollte Abdullay bereits um 09:00 mit einem Skoda Fabia vor unserer Bude warten, nachdem der Peugeot von gestern wohl endgültig den Geist aufgegeben hat und nach dem zweiten Mal Frühstück am Atlantik hieß es Check-Out, merci beaucoup und allez allez mit unserem neuen besten Freund.
Die Tagesordnung für den Montag würden wir unserem Taxifahrer in mundgerechten Stücken servieren, was aber zu diesem Zeitpunkt nichtmal wir wussten. Zunächst ging es ins unweit gelegene Reserve de Bandia um ein wenig Afrikafeeling mitzunehmen und sich besser zu fühlen, als die dicken Kids, die sich im Zoo vor eine Glasscheibe drücken und ihr 5,20€ Eis schlecken. Das 3.500 Hektar große Gelände lud zur Safari ein und für 132.500 CFA bekamen wir Eintritt, Fahrer, 4x4 Geländewagen und einen deutschsprachigen Guide.
Selbstredend, dass Abdullay nicht im Taxi wartete, sondern auf der Mittelbank des Jeeps Platz nahm :-)
Über huckelige Savannenpisten ging es vorbei an Baobabs (Affenbrotbäumen), Pferdeantilopen, Zebras, Giraffen, Büffeln und Krokodilen. Fabse wollte trotz knusprigem Sonnenbrand nicht mit den Krokos planschen und so kamen alle lebendig durch den Vormittag.
Als unser Guide nach der genauen Herkunft fragte und wir mit irgendwo bei Hannover antworteten, wollte er wissen wie weit man von dort nach Osnabrück fährt. Was für ein unfassbarer Top-Lad! Der Gute hatte über viele Jahre einen Brieffreund in Osna, aber noch nie einen Fuß nach Deutschland gesetzt. So klein ist die Welt!

Safari im "Reserve de Bandia" unweit von unserer Unterkunft.


Nachdem Abdullay bereits die ganze Safari mit Gott und der Welt telefoniert hatte, ging es nun zum zweiten Boxenstopp des Tages in die Hafenstadt Dakar direkt in einer Bucht gelegen. Früher habe ich mit Dakar eigentlich nur die Rallye Dakar verbunden, welche zeitgleich zu unserem Aufenthalt stattfand. Allerdings in Südamerika...
Höchste Zeit also mehr über diese Metropole zu erfahren und über Land- und zum Ende über die Mautstraße (O-Ton Abdullay: Ohohoh, Senegal, payez encore, Till, Toma, ohohoh!") wurde die Hauptstadt erreicht. Meinen Namen bekam der angeblich 45-jährige einfach nicht auf die Kette, ungeachtet davon, dass ich der Einzige war, der sich wenigstens ein bisschen mit ihm unterhalten konnte.
Die Autobahnabfahrt war richtig schön verstopft und lud Unmengen von fliegenden Händlern ein uns hier allerlei Zeug anzudrehen.
Wir blieben aber sitzen und steuerten zunächst eine Bank an, damit Toma unsere Franc-Reserve aufstocken konnte. Während Fabse und ich im Auto warteten, stieg Abdullay aus um nach Thomas zu sehen, weil er ihm das Unterfangen wohl nicht zutraute. Dafür stellte sich ein Junge an mein geöffnetes Fenster und schaute mich mit großen Augen minutenlang einfach nur an und man bekam erneut ein Gefühl dafür, wie man sich bei uns als Afrikaner fühlen muss.

Kreative Mitfahrgelenheiten und Kleinbus-Sammeltaxis vor dem Nationalstadion in Dakar.


Mit frischen Scheinen kamen die Beiden dann um die Ecke und wir fuhren zur Zieldestination, dem Monument der afrikanischen Renaissance. In Dakar sind Sehenswürdigkeiten eher rar gesät, aber diese 49 Meter Bronzestatue auf einem 100 Meter hohen Hügel haut einen schon um. Das Monument zeigt eine Kleinfamilie bestehend aus Mann, Frau und Kind, welches in Richtung Amerika über den Atlantik zeigt. Grund für die Errichtung war das 50-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich, der Bau rief aber viele Kritiker hervor, da die Kosten extrem hoch ausfielen und die halbnackte Darstellung in einem zu 90% islamischen Land nicht so gern gesehen wird. Würde man hier ein ähnlich hässliches Abbild eines Fussballers, wie das von CR7 auf Madeira errichten, wäre der gewählte Fussballer aktuell wohl Sadio Mané vom Liverpool FC mit einem aktuellen Marktwert von schlappen 60 Millionen Euro. Trotz zahlreicher begabter Fussballer hat es der Senegal nie zu einem Africa-Cup-Titel gebracht. Lediglich die eher unbekannte Copa Amilcar (Pokal für westafrikanische Mannschaften) konnte man 8x gewinnen und die fussballerische Klasse beweisenn, sind wir mal gespannt was diesen Sommer in Russland geht..

Monument de la Renaissance africaine


Abdullay hatte jetzt eigentlich seinen Teil der Vereinbarung eingehalten und langsam auch mächtig Hunger, so dass auch wir zum Mittagessen los wollten und ihm ein neues Angebot machten, was er nicht ablehnen konnte. Für 30.000 CFA sollte er uns zum Restaurant "La Pampa" fahren, wo wir ihm ein Essen spendieren würden, danach wollten wir zum Fährhafen inkl. 2 Stunden Aufenthalt auf Goreé, bevor es am Abend zum Flughafen zurück gehen sollte. Abdullay schlug ein und wir konnten uns bei Burger und Steaks die Bäuche vollschlagen. Unser neuer Kumpel machte von dem Gebotenen auf dem Tisch allerhand Fotos und einige Selfies mit uns, so schlecht scheint es ihm also nicht gefallen zu haben ;-)
Gut gesättigt waren 30 Minuten Zeit die letzte Fähre auf die Insel Goreé zu erwischen um noch meinen UNESCO-Kontinentalpunkt mitzunehmen. Für ein paar Euro bekommt man das Ticket für die 15-minütige Überfahrt mit der besten Fähre der Welt, die auf den Namen "Beer" getauft ist. Ohne alkoholhaltige Kaltgetränke, aber mit Abdullay ging es rüber auf Goreé, einem Hauptumschlagsplatz für Sklavenhandel während der französischen Kolonialzeit. So zumindest eine Theorie, denn seit 2006 gilt dieser Umstand als äußerst umstritten. Während man auf der Insel von 12 Millionen verschifften Menschen alleine nach Amerika spricht, wird von anderer Seite von 500 Menschen pro Jahr gesprochen.
Fakt ist: Goreé ist ein kleines Paradies, mit einer grausamen Vergangenheit, was besonders die Tür ohne Wiederkehr zeigt.
Wer durch diese Tür ging, wurde über den großen Teich geschickt und kam nie mehr zurück. Besonders grausam: Um die Sklaven vor dem Sprung von der Planke in den Atlantik (und somit den Tod) abzuschrecken, wurde man mit mindestens einer weiteren Person zusammengekettet, springst du also in den Tod, nimmst du immer einen anderen Menschen mit. Beeindruckt und bedrückt von der hier herrschenden Atmosphäre wurde uns einmal mehr das Unverständnis über die braunen, besorgten Bürger in Deutschland bewusst.
2 Stunden hatten wir auf der Insel und wurden dabei von Abdullay (der selbstredend mitgekommen war) herumgeführt und bekamen einiges erklärt. Unter anderem erzählte er uns, dass Blaise Diagne hier lebte und auch der aktuelle Präsident des senegalesischen Fussballverbands seinen Wohnsitz auf der Insel hat.
Diese kleine "Führung" wurde ihm jedoch beim Passieren der örtlichen Polizeiwache zum Verhängnis. Obwohl Abdullay kein Geld von uns verlangte und uns einfach aus Sympathie etwas über seine Heimat erzählen wollte, griff ihn die Polizei auf und nahm ihm seinen Pass ab. Da er als Guide ohne Ausweis fungierte, sollte er nun 12.000 CFA Strafe zahlen um den Pass zurück zu erhalten. Da er nur 6.000 CFA dabei hatte, wurden ihm diese abgenommen und er konnte gehen. Ein Grund mehr gegen die hier leider herrschenden Ganoven im staatlichen Dienst, die sich bei jeder Möglichkeit durch ihre Machtstellung bereichern. Natürlich bekam Abdullay die 6.000 Franc später von uns wieder, Ehrensache. Kulturprogramm somit eindrucksvoll abgehakt und eine klare Empfehlung an alle Dakar-Reisenden!
Nun näherte sich bereits das Ende und wir brachen auf zum Airport, wobei wir in einen Monster-Feierabend-Stau gerieten. Nach 1,5 h hatten wir gerade den Ausgang der Millionenstadt passiert. Bei Abendspielen in Dakar sollte man definitiv viel Zeit einplanen...
Am Flughafen wurde unser neuer bester Freund für die letzten Tage fürstlich entlohnt und wir brachen auf zum Gate. Hinter der Sicherheit sollten 2 Lounges warten, die wir checken wollten, da bis Abflug noch mehrere Stunden Zeit waren. 30€ für etwas zu Essen und ausschließlich antialkoholische Getränke waren dann aber nicht realpreisig. Auch die handgezählten 3! Bars boten nur Mist und so wollte man für 3 Bier und 3 Baguettes 30€ haben...
Das hier soll also das neue Drehkreuz in Westafrika werden?

Um 03:00 konnte der Vogel endlich abheben und das Frühstück hätte TAP auch gerne direkt im Klo runterspülen können... Bier war natürlich Fehlanzeige an Bord... Nie wieder mit dieser Airline!
In Lissabon gelandet, drohte der nächste Stopover über 7 Stunden.
Hier kann man sich es in der Lounge für 25€ aber echt gut gehen lassen und bekommt neben gratis Essen und Trinken (mit Hochprozentigem und Bier!) auch eine Dusche geboten. Der Aufenthalt ist auf 3 Stunden begrenzt, aber das interessiert hier keine Sau und so nutzten wir den Service bis kurz vor Abflug aus.
Mit dem letzten TAP-Flug unseres Lebens ging es zurück nach Köln, was mit 6 Grad Aussentemperatur nicht unbedingt super rüberkam...
48h Afrika klingt völlig bescheuert. Sind wir natürlich auch :-)
Aber was man in nur 2 Tagen sehen und erleben kann, erstaunt mich immer wieder auf's neue.
Dank einer Topbesatzung, geilem Wetter und einem optimalen Zeitplan für 2 Tage war es eine richtig geile Tour, die extrem Bock auf den schwarzen Kontinent gemacht hat und nach wenigen Wochen Rechtsstreit mit unseren Freunden von TAP war jeder um 600€ reicher und hatte mit der Tour sogar Gewinn gemacht.
Also ein Ausflug der keinesfalls umsonst, aber quasi gratis war.

Überfahrt zur ehemaligen Sklaveninsel Goreé.

Tür ohne Wiederkehr (mittig, rechtes Bild)