Torino FC - Cagliari Calcio 2:1 (1:1)

Serie A (1. Liga Italien)

29.10.17

Stadio Olimpico di Torino (28.000)

Zuschauer: 18.309 (200 Gäste)

   Eintritt: 20€


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Bereits am Abend wurde das vorletze Ziel, aber der letzte Spielort per Frecchiarossa erreicht. Hier trennte sich die Spreu vom Weizen beim Umstieg und die graue Jogger ging ihrer Wege, während mich das PS-Monster in bestem Komfort nach Turin kutschierte. Das Leben kann halt nicht für alle Disneyland sein 😉
Meine Airbnb-Bude lag etwas nördlich des Zentrums und Gastgeber Giancarlo begrüßte mich freundlich und mit perfektem Englisch, der Mann ist 70 Jahre alt, da kann sich die italienische Jugend mal ne dicke Scheibe Prosciutto abschneiden.
Ich war ziemlich gerädert und verzog mich auf mein Zimmer, schrieb noch etwas Stuss, was ich dann als Bericht verkaufe und legte mich hin.
Am nächsten Morgen war das Motto "Scheiß auf den Wecker" und auspennen war angesagt, ehe es Kaffee von Giancarlo gab. Definitiv der beste Host der Reise und interessante Hintergrundinfos hatte er auch parat. Er sagte mir, dass in Turin die fetten Jahre vorbei sind, die Autoindustrie hatte ihr Blütezeit vor 25 Jahren und wanderte dann mehr und mehr nach Detroit ab. Er selbst war Grafikdesigner bei FIAT, woraufhin meine Frage erstmal war ob er für den Multipla verantwortlich sei, zum Glück hat er dieses Vebrechen aber nicht begangen.
Top erholt war nun noch genug Zeit bis zum Abendspiel um Turin zu erkunden. Die Kohle, die hier eingenommen wurde, hat man auf jeden Fall auch ausgegeben, überall Prunkbauten, Paläste usw. Seit den olympischen Spielen 2006 spezialisiert man sich zunehmend auf den Tourismus, trotzdem ist die Stadt nicht annähernd so überlaufen wie Florenz, Pisa oder Mailand, was das hier ganz angenehm gestaltet.
Metro, Bus und Tram stehen zur Wahl, aber bei so viel Zeit und meinem Konsumverhalten war ein Fußmarsch durch die gesamte Stadt meine Wahl. Diese Meinung teilten auch einige Italiener, denn zeitgleich fand hier heute der Torino-Marathon statt, der auch einiges an Bullen- und Militärpräsenz einbrachte.
Die Stadt ist definitiv sehenswert und kommt auch ohne DAS Highlight aus, für mich heute wohl die zwei Mittagessen.
Ja, genau, zwei! Euer Lieblingsautorklops hatte nämlich ordentlich Kohldampf mit in den Piemont gebracht und so wurde in einer Seitenstraße zuerst ein Familiengeschäft auf die Pasta getestet, ehe es ein paar Häuser weiter leckeres Seafood zum kleinen Kurs gab.
Nach einem netten Tag in Turin ging's zum Kraft tanken auf die Bude und dann mit dem Bus zum Ground. Auf dem Weg zur Bushalte zeigte sich wer in Europa eigentlich die größte Herausforderung beim Thema Flüchtlinge hat und nein lieber Kevin, 20 Jahre und Lok-Fan, dass sind nicht wir....
Im Bus kann man hier übrigens keine Tickets erwerben und das teilte mir der Fahrer mit internationaler Erfahrung auch mit: " No shopping Ticket!" Aha, danke! Und wo kriege ich den Fahrschein? "Eeehh, no shopping ticket!" Der Gute hatte aber wohl wenig Bock auf den Touriaffen und winkte mich einem "OK!" dann gratis rein.
An der Haltestelle Filadelfia (dem alten Ground von Torino und aktuellem Stadion für Training und Jugendspiele) ging's raus und ab zur Kasse.
20€ wurden hier für die Hintertorseite (Primavera) fällig, fairer Kurs für einen Sitzplatz und guter Blick auf die Marathonkurve. Vor Anpfiff bildeten Jugendteams aus umliegenden Gemeinden eine Riesenkette 1x um den Platz, auch eine Möglichkeit die leeren Plätze zu kaschieren 😉
Der Groundflopping-Test fällt hier überragend aus: Man schaut vom Pissoir direkt auf's Spielfeld und verpasst keine Minute. Die direkt davor platzierten Zuschauer können dich aber auch komplett dabei beglotzen 😁
Nach Serie B gestern, dann heute mal wieder,  Fussball der großzügiger Weise von mir persönlich gesponserten Serie A.
Es sollte ein runder Abschluss einer rundum geilen Tour werden.
Rund war hier allerdings erstmal nur der Ground, denn die Ultras Granata verbrachten die ersten 12 Minuten außerhalb des Blocks und hissten ein großes Transparent mit der Aufschrift "Sveglia!!!" also "Aufwachen!!!", nach dem sportlich schwachen Start in die Saison.
Vom Gästeblock brauchte man keine Leistungen zu erwarten, die gut 200 Büchsenfische hielten für 90 Minuten die Schnauze... Außer beim 0:1, da gab's auch auf meiner Tribüne sardinischen Jubel, was ein kurzes Handgemenge mit der hier ansässigen, kleinen Ultragruppe von Torino nach sich zog.
Ordnerkette und Eskort in den Gästeblock lösten weitere Konsequenzen in Luft auf.
Die Heimseite auch nach Anwesenheit der UG maximal "bemüht", das war leider eins der schwächeren Spiele dieser Tour.
Lediglich die Hymne "Forza vecchio cuore Granata!" bimmelt mir noch immer in den Ohren, was ein heftiger Ohrwurm...
Durchgefroren wurde das nächste Taxi rangewunken und a la casa als Ziel ausgerufen.
Nachdem der Montag noch mit Sightseeing in Milano bei traumhaftem Wetter verbracht wurde war die Tour auch schon wieder vorbei.
Fazit: Italien ist auf dem Weg der Besserung. Durch die mögliche Abschaffung der Tessera geht ein Ruck durch's Land und einige Repressionen wurden bereits gelockert, was die Kurve langsam wieder füllt.
Hier spürt man die Ultra-Mentalita noch in Reinkultur, genau wie sie sein sollte. Kein blödes Rumgehipster, Klamotten sind maximal zweitrangig und alles geht im Vergleich zu Deutschland viel entspannter zu.
Wird man bei uns oft als Groundhopper verachtet, freuen sich die Leute hier über das Interesse am eigenen Club und sind sehr herzlich und offen.
Die Stimmung und besonders das Lebensgefühl werden mich hier noch oft aufschlagen lassen.
Ciao Italia, bis bald! ❤