Paris Saint-Germain - Montpellier HSC 2:0

Ligue 1

22.04.17

Parc des Princes (48.713)

Zuschauer: 45.788 (keine Gäste)

   Eintritt: 24€


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Da sitze ich nun also im Bomber von Eurowings, deren Flug heute von Air Berlin durchgeführt wird. Also, liebe Realpreispiraten und Flugstatistikenjunkies: Welche Airline zählt denn jetzt?
Nachdem ich diese Frage stellen konnte, die in mir so brannte wie 50 Chilischoten auf dem Lokus, nun zum Wesentlichen. Paris habe ich bislang so sehr gemieden, wie 1€ Dönerschuppen in Neukölln. Das mag an den vielen nervigen Pärchen, oder den langweiligen Kunstmuseen liegen, wo sich Menschen vor bunte Striche stellen und eine halbe Stunde ihr feinstes Grübelgesicht aufsetzen. Ich habe das noch nie verstanden... Naja, wenn Mama zahlt, fliegt man eben auch nach Jahren mal wieder mit in den Familienurlaub und streicht die nächstgelegene fehlende Großstadt von der Karte. Rein zufällig ergab sich auch die Chance den Prinzenpark zu kreuzen, somit stieg die Motivation auf den Trip doch nochmal an. Nachdem erst am Donnerstag, also am Abend vor Abflug wieder ein Attentat am Champs-Élysées begangen wurde, lief der Lynchmob auf der Couch bei Facebook wieder heiß. "Warum denn das auswärtige Amt nicht mal endlich Frankreich als unsicheres Reiseland einstufen würde?"
Da kommt mir doch eine tolle Idee: Liebe Beatrix von Storch, halten Sie doch nach ihrem *hust* mehr als erfolgreichen *hust* Wahlauftakt in Osnabrück ihre nächste Rede in Aleppo! Da können sich Ihre weltkundigen Wähler dann auch gleich ein Bild von einem richtigen "unsicheren Reiseland" machen. Da ich persönlich für Terror nichts anderes als den Mittelfinger übrig habe, ging es natürlich trotzdem ins "Krisengebiet". Der Samstag wurde bis zum Spiel mit reichlich Tourikram verplant, Kulturgrounds wie der Eiffelturm, Louvre oder Notre Dame konnten also auch abgehakt werden. Nun wurde ich aber langsam kribbelig, schließlich stand Fußball auf dem Plan und wer mich kennt, weiß, dass ich kein Mann für kurz-vor-knapp Aktionen bin. Mit einem Zeitfenster von 1,5h wurde also die Metrostation Port de Saint-Cloud erreicht. Davon ging schonmal ein Teil für die deftigen Sicherheitskontrollen drauf. Dafür, dass ich hier gerade nicht als Ex-Häftling ne Erzieherausbildung machen wollte, wurde ich schon ordentlich überprüft. E-Ticket den Bullen zeigen und abtasten. Weiter zum Drehkreuz, Ticket zeigen, Perso zeigen, Ticket scannen und den ticketartigen Kassenbon, der zum Zutritt berechtigt entnehmen. Dem nächsten Ordner zeigen und abtasten lassen, dem Ordner am Zugang zeigen und dann war ich ja auch schon drin. Die letzten 2 Jahre haben hier echt ordentlich Spuren hinterlassen... Auch für die Gästefans hatten die Anschläge enorme Auswirkungen, bei vielen Spielen waren keine zugelassen. Auch heute gab es keinen Gästeblock. Dafür sind seit kurzer Zeit die Collectif Ultras Paris endlich wieder im Stadion, nachdem jahrelang wegen Querelen mit Verein und den Bullen boykottiert wurde. Vor dem Spiel gings aber erstmal auf die Nobelklos, wo sich die Jungs von Groundflopping mal so richtig luxuriös hätten ausscheissen können. Die Karte wurde ganz easy für den unfähigen Paris-Touri im Vorfeld über die englischsprachige Website bestellt und war für die Hintertorseite Boulogne sogar ganz erschwinglich. Guter Platz und direkter Blick auf die Eichel des Eiffelturms, nett! Gegenüber von mir fuhr Collectif einiges an Tifo-Material auf, das wusste definitiv zu überzeugen, aber auch auf meiner Tribüne machten sich ein paar 17-Jährige Spaghettiärmel mit Ultrasshirts breit und meinten echt, dass sollte man ernst meinen. Das mit den verschiedenen Gruppen auf gegenüberliegenden Gruppen kennen wir aus Frankreich ja bereits und kann wie bei St. Etienne (Magic Fans/Green Angels) auch echt geil sein. Das hier liebe Freunde der chinesischen Küche, war aber mal ein ordentlicher Griff ins Klo, wie bei Mr. Wuang, der dort noch eben die nächstbeste Schlange für die Fritteuse rausangelt. Dank des guten Supports auf der Virage Auteuil war das hier zum Glück keine Trauerfeier, auch wenn vor Spielbeginn dem verstorbenen Polizisten gedacht wurde. Der Parc des Princes war bis 1998 Nationalstadion, ehe das Stade de France im Vorort St. Denis zur Ablösung bereitstand. 1897 bereits als Radrennbahn erbaut, hat es also schon satte 112 Jahre mehr Traditon als Rattenballsport. Heute wird hier zum Glück regelmäßig Fußball gespielt und das dank des Geldes um den katarischen Geschäftsmann Nasser El-Khelaifi sogar recht erfolgreich. Was viele nicht wissen: Der Gute war früher mal Tennisprofi, allerdings nicht soo erfolgreich, Bestplatzierung 995 spricht nicht gerade für einen Boris Becker der Wüste. Trotzdem hätte die Truppe um Kevin Trapp und Edinson Cavani hier auch locker 6:0,7:0 gewinnen müssen! Es war ein einziges Katz-und-Maus-Spiel und Paris spielte mit Montpellier lieber noch etwas bevor sie mehr Tore schossen. Nach dem Anschlag und der am Tag danach anstehenden Präsidentschaftswahl merkte man den Menschen die Anspannung bei Abreise deutlich an. In Menschenmassen bewegen sich ja viele erst gar nicht und gerade bei den aktuellen Umständen war das einigen sichtbar unangenehm. Hoffen wir einfach, dass auch hier bald wieder Ruhe einkehrt und der Fußball mehr Schlagzeilen schreibt, als der Terror.