FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 0:0

3. Liga

25.11.17

Ernst-Abbe Sportfeld (12.990)

Zuschauer: 3.885 (242 Gäste)

   Eintritt: 11€


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Wenn man Jena bei Tripadvisor eingibt, bekommt man keine 30 Treffer, also etwa die Anzahl des Lotteraner Gästeanhangs.
Dazu prickelnde Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und der sportliche Reiz einer Weltmeisterschaft für rhytmische Sportgymnastik.
Voilá! Fertig ist der Cocktail einer Auswärtsfahrt!

Um 07:45 sollte es mit Moritz vom Hbf (aber im Auto) Richtung Thüringen gehen, aber kein Zeichen von ihm, auch bei meinen Anrufen hob er nicht ab.
Nachdem die Laune schon im Keller war und die ersten Horrorszenarien wie Doppler in Holland, oder gar Samstag auf der Couch durchgesponnen wurden, ging die Schlaftablette dann doch mal ran und erklärte den Ausfall mit dem letzten Abend. Da der Arme sein Studium in Deutschlands schlimmster Stadt begonnen hat, war "mal eben rumkommen" auch nicht drin.
Alleine wollte ich eigentlich ungern losfahren, Marcel machte mich dann aber auf den machbaren Umweg mit Zwischenstopp in der Stadt der Ratten der Lüfte aufmerksam und mein Leben bekam wieder einen Sinn.
Ich war felsenfest davon überzeugt die Karre nun schnellstmöglich nach Ostdeutschland zu bringen und das Spiel mitzunehmen.
Nach dem kurzweiligen Aufenthalt in einer unbedeutenden westfälischen Kleinstadt konnte es mit Knallgas quasi geradeaus einmal von links nach rechts durch's Land gehen.
In Mitteldeutschland kurz hinter den Kasseler Bergen gab's dann auch den ersten Schnee zu sehen, aber da es weder Stau noch sonstige Späße gab, fuhr ich eine knappe Stunde Puffer zum Anpfiff raus. Marcel weilte da schon in Weimar und machte sich auf Weltkulturerbejagd (Bilder sind angehangen), bei miesem Wetter und wenig Zeit für mich heute kein Zusatzprogramm.
In Jena angekommen durfte man mal direkt die Frage stellen woher der Name "Paradies" kommt.
Das war eher das Zwickau Thüringens, Sabi Oschi, was ein hässlicher Ort, da konnte Erfurt als Stadt aber mal deutlich mehr Punkte sammeln.
Ziel war aber zum Glück nicht eine romantische Kaffeetour durch die Stadt, sondern das Ernst-Abbe Sportfeld.
Ernst Abbe war Mitbegründer und später Alleininhaber der Firma Carl Zeiss, welche als Optikunternehmen auch den Vereinsnamen prägt.
Der dreifache DDR-Meister durfte sogar 1981 im Finale des Europapokals der Pokalsieger ran, scheiterte aber mit 1:2 an Dinamo Tiflis.

Heute kaum vorstellbar, das Stadion ist marode, die 4. Liga gerade erst passé und Zuschauer kommen auch kaum.
Trotz heutiger Aktion bei der Jugendliche unter 18 Jahren nur 1€ Eintritt latzten.

Die Anreise zum Gästeparkplatz verläuft gelinde gesagt "abenteuerlich", da es erst einmal komplett an den Kassen des Heimbereichs, dann über einen Schotterparkplatz und eine schmale Gasse hinter dem Tor vorbei geht, ehe man auf einem weiteren Schotterparkplatz landet. Hier hätte ich mir zur Anfahrt ein Amphibienfahrzeug gewünscht, der Platz wird sonst vermutlich zum Landespokal im Schlammcatchen genutzt.
Nachdem der Eingang unfallfrei erreicht wurde, gab's vom Ordner erstmal die Abfuhr: "Kein Spiel!" Höhö, witzig! Zu dem Zeitpunkt wurde aber wirklich noch über eine Absage diskutiert, was mich den Platzverhältnissen auch nicht gewundert hätte.
Zum Glück ging's dann aber rein und ich freute mich schon auf die Thüringer Rostbratwurst!
Blöd nur, wenn dann ein von innen kaltes und von außen schwarzes Stück Kohle präsentiert wird. Die schlechteste Stadionwurst des Jahres kommt somit aus Jena...
Mit Bier wurde nachgespült und der Ground näher unter die Lupe genommen. Oldschool-Charme ist vorhanden, aber durch Laufbahn, Baustellenflair und die getrennte Hintertorseite  maximal ganz nett hier...
Der Gästeblock füllte sich erst unmittelbar vor Anpfiff, da die Szene etwas später eintraf.
Hier zeigten sich direkt die Annehmlichkeiten wenn man mit dem "Feind" Tür an Tür wohnt.
Der Gästeblock ist wie erwähnt direkt neben der Heimseite untergebracht und der Pöbelfaktor somit perfekt 😁
Nach ein paar Nettigkeiten passten sich sowohl Spiel als auch Support dem Wetter an und plätscherten so vor sich hin. Konnten wir mit etwa 350 Leuten zwar konstant aber nicht wirklich laut einen befriedigenden Auftritt ablegen, hat mich seit langem keine Fanszene mehr enttäuscht als Jena. Die vielen Bilder, Videos usw. der Horda Azzuro gefielen mir immer richtig gut, ähnlich wie die politische Ausrichtung der Kurve.
Heute zwar melodisch (durch 4! Trommler), aber kaum zu vernehmen, das war nix liebe Freunde von polnischen Brachialchören.
Die 3 Bengalen bei den Zeissern und eine ganz nette Schalparade zu Beginn, sowie die 2 Transparente bei uns (Pro 50+1 und Mobilisierung zur JHV)
blieben die optischen "Highlights". Dieser Punkt bleibt daher eher in Thüringen.
Nach Abpfiff dieses Kicks mit Hassergebnis eines jeden Groundhoppers begann sprichwörtlich die 3. Halbzeit und es kam doch noch etwas Action ins triste Jena.
Zunächst wurde eine Fahnenstange im Gästeblock als Jena-Szeneschal-Spieß umfunktioniert, ehe der Heimblock mit einem lila Fanshirt das passende Grillfeuer entfachte.
Endlich kam etwas Stimmung auf der Baustelle auf und beide Lager tauschten freundliche Gesten und beste Wünsche für die jeweiligen Familien aus.
Nachdem die Jenaer mit "Kommt doch mal rüber!" zum netten Plausch auf der Laufbahn aufgefordert wurden, versuchte kurzerhand die meeega motivierte Bullerei im Tempo einer 50 Kilometer Gehen WM mitzumischen.
Im Anschluss wurde der Tanz auf dem Parkplatz weitergeführt als wie von Geisterhand plötzlich ein Tor offen stand wie ein Adventskalendertürchen und der Gästemob hochmotiviert Richtung Heimseite marschieren wollte. Hier war die Polizei aber schneller als die Optiker-Azubis und der Vollkontakt mit diversen Streicheleinheiten blieb aus.
Zum Abschluss wurden die PKW durch die Aqua-Erlebniswelt bis zur Autobahn begleitet und die Heimreise konnte ohne besondere Zwischenfälle gemeistert werden.
Wer braucht schon ein 4:4 im Derby, wenn er auch ein packendes 0:0 in Thüringen erleben kann?

"Wir fahr'n nach Haus, ihr müsst hier wohnen!"