FC Avenir Beggen - FC Schifflange 95 0:0

1. Division - 2. Bezirk (3. Liga Luxemburg)

27.08.17

Stade rue Henri Dunant (4.830)

Zuschauer: 150 (keine Gäste)

   Eintritt: 6€


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Während halb Hopping-Europa bei Cevapcici und kühlem Jelen in Belgrad weilte, wollte ich endlich die Mission Grenzschluss vorantreiben. Keine Sorge, ich bin kein Anhänger von Viktor Orbán, sondern brauchte lediglich noch ein Länderpunkt-Grenzland von Deutschland. Das (kleine) Großherzogtum Luxemburg schiebe ich schon so lange vor mir her, wie ein Curling-Spieler einen Stein. Das liegt unter anderem daran, dass es nicht so wirklich nah an Osnabrück liegt und besonders daran, dass beinahe jedes europäische Land fußballerisch attraktiver ist. Durch den neuen Job, darf ich aber nun öfter auch mal nach Rheinland-Pfalz gurken. Was für den normalen Arbeitnehmer eine Qual darstellt, ist für einen Groundhopper die Chance eine neue Gegend zu erschließen. Am Sonntag wurde also der Golf zur knapp 4,5 stündigen Fahrt Richtung Südwesten bereit gemacht und die Anreise verlief ohne Komplikationen. Erste Amtshandlung in diesem ansonsten sündhaft teuren Land: Tanken! Denn wenn hier eins günstig ist dann ist es Benzin, bei 1,13€/l braucht man nicht lange nachzudenken...
Nun ging es zur einzig bezahlbaren Unterkunft in Luxemburg Stadt, dem Youth Hostel. Persönlich kann ich Hostels eigentlich nicht leiden, stinkende Hippies, große Schlafsäle, null Service. Aber wenn der Preis 1/4 von dem des zweitgünstigsten Hotels beträgt, kann man es sich auch mal im 6-Bett-Zimmer bequem machen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es aber erstmal wieder auf Welterbejagd. Die gesamte Altstadt, sowie die Befestigungsanlagen (Kasematten) wurden von der UNESCO in diesen Status versetzt. In der Mittagspause eignen sich besonders die Kasematten um etwas abzukühlen, die Gänge sind zum Teil tief in den Fels gebaut und extrem verwinkelt. Wer nen schlechten Orientierungssinn hat, verläuft sich nicht nur einmal 😉
Die 6€ Eintritt lohnen aber und nun ging es in den überschaubaren Stadtkern. Das ganze Land Luxemburg hat ja nichtmal 600.000 Einwohner, wovon den größten Einwandereranteil nicht etwa Franzosen oder Deutsche ausmachen, sondern Portugiesen. Hier schließt sich für mich ein Kreis, da vor ein paar Jahren beim Europapokalspiel Eintracht Frankfurt - FC Porto direkt neben uns eine Gruppe Frankfurter Hools einen Kleinbus aus Luxemburg angriff und eine Zaunfahne erbeutete. Die Altstadt ist schön, aber auch schnell durchlaufen und so ging es nochmal ins "untere" Luxemburg in den Stadtteil Grund, wo früher die Working-Class beheimatet war, während der Adel oben thronte. Kulturpunkt also abgecheckt und nachdem ein viel zu teures Diekirch kostenneutral genossen wurde,  ging es langsam Richtung Fußball.
Wieso in Ryanairs Namen hat der sich ein Drittligaspiel ausgesucht, denken sich nun die meisten. Da gibt es einige Gründe: Zunächst war dieser Sonntag leider nicht mit sonderlich viel Auswahl im Umfeld der Hauptstadt gesegnet, zum anderen hatte ich mehr Bock auf einen halbwegs netten Ground und eine Tradtionsmannschaft, als auf guten Fußball (den es hier ja auch kaum gibt).
Das fand ich im 5km entfernten Beggen, wo der FC Avenir im Stade Henri Dunant seine Heimspiele austrägt. Als Erstes fällt direkt das skurille Wappen auf, wo ein Wichtel auf einem Fußball sitzt, wie Bibi Blocksberg auf Kartoffelbrei. Parken ist hier überhaupt kein Problem und 6€ Eintritt stellen für die Bürger mit dem höchsten BIP pro Kopf weltweit wohl auch eher Peanuts dar.
Das Stade Henri Dunant bietet knapp 5.000 Zuschauern Platz und ist damit eine der dicksten Schüsseln im Zwergstaat. Der FC Avenir spielt zwar aktuell nur drittklassig ist aber eine erhoffte Traditionsmannschaft mit sechs Meistertiteln und sieben Pokalsiegen. Auch auf internationaler Ebene war der Club bereits mehrfach vertreten, wobei man nur 1x über die erste Runde hinaus kam und in 36 Spielen auf ein Torverhältnis von 14:142 kommt.
In der Saison 87/88 spielte man im Europapokal der Pokalsieger gegen den Hamburger SV und schied nach Hin-und Rückspiel mit 0:8 aus. Ob einer der heutigen Zuschauer deswegen ein HSV-Shirt trug bleibt ungeklärt... Der Verein soll schleunigst wieder in den höherklassigen Fußball und neben einem ordentlichen Kader wird auch ein neues Vereinsheim errichtet. Das Kurioseste hier (neben den Wichteln) ist die Sprache. Mal redet jemand diesen Mix, was ganz schrecklich klingt, dann viele französisch und auf dem Platz nur der Keeper von Beggen deutsch. Das scheinen manche Mitspieler jedoch einfach zu überhören, bei der klaren Aufforderung "3 Mann in die Mauer!" stellte sich nur einer rein, was der Schlussmann mit einem "Wollt ihr mich alle verarschen?" konterte. Tja, deutsche Torhüter haben es im Ausland nicht leicht, egal ob Primera Division, Ligue 1, oder halt 3. Liga in Luxemburg.
150 Zuschauer wollten sich diesen Bums ansehen, wobei es wirklich ein Bumskick war, das hatte maximal Bezirksliganiveau... Unter den vielen Hunden im Stadion, musste natürlich einer den Flitzer machen und wurde stilecht vom Kapitän  vom Feld getragen, Ruff! 🐶
Auf den Rängen gab es sogar organisierten Support, wenn man denn das, was die "Yellow Boys" hinter ihrer Zaunfahne abzogen so betiteln darf. Zehn, zum Teil mega fette "Ultras" benutzten nämlich lieber eine Soundbox und spielten neben "Olé, Olè!" auch kontextlos Rülpsgeräusche ab. Hätte ich ihnen auch im Originalton anbieten können, nach mega leckerer Roter mit Senf und nem kalten Diekirch wäre das gut rübergekommen 🍻
Fazit: Wer hier zum Fussballgucken 4,5 Stunden oneway fährt, der hat echt die Pfanne heiß... Wenn man aber eh in der Gegend ist und der Länderpunkt fehlt, zudem die kulinarische Armut aus dem Nordwesten der Bundesrepublik kennt, sollte man mal in Luxemburg vorbeischauen.