CSKA Sofia - FC Vereya 3:0

A Parva Futbolna Grupa (1. Liga Bulgarien)

08.09.17

Stadion Bâlgarska Armija (22.015)

Zuschauer: 3.100 (keine Gäste)

   Eintritt: 18 Lewa (ca. 9€)


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Spätestens seit dem 10.07.1994 hat jeder deutsche Fußballfan den "Fußballzwerg" Bulgarien auf dem Zettel. In New York läuft beim WM-Viertelfinale die 79. Minute als Yordan Letchkov per Flugkopfball Loddar & Co. in den nächstbesten Lufthansabomber verfrachtet.
2/3 der Brückengängercrew machten sich ja bereits im März auf um die bulgarische Hauptstadt zu erkunden und konnten unter anderem das Derby sehen. Keine Angst: Hier gibt's nun auch andere Grounds, obwohl ich ebenfalls Sofia anpeilte.
Allerhöchste montenegrinische Eisenbahn also für mich den nächsten osteuropäischen Länderpunkt einzutüten und mal wieder einen pinken Zauberbomber zu besteigen. Der Vorschlag kam bei Philipp so gut an, dass bei meiner zweiten Nachfrage bereits eine 4er Besatzung gebucht hatte und ich im Anschluss nachzog. Da sich die Billigflieger inzwischen auch am richtigen Frankfurter Flughafen niedergelassen haben (Chriss Flyer würde natürlich HHN als den echten bezeichnen...) ging es mit Sparpreis und ICE bereits am Freitag in die Hessenmetropole. Im Zug neben 3 alten Herren, die erst sehr nett waren dann aber durch ihre ständigen Sprüche über Migranten nur noch nervten... Statt mich umzusetzen, nahm ich den Zustand aber eher als Vorbereitung auf das was mich in Bulgarien erwarten sollte hin. Am Flughafen wurde beim REWE kurz gefuttert, bevor der Rest der Meute an Terminal 2 getroffen wurde. Der Flieger steht auf dem Rollfeld so weit hinten wie es geht, so dass du dich fragst ob der Bus dich nicht direkt bis nach Bulgarien fährt. Dieser Fakt und die lahme Bodenbesatzung verzögerten den Abflug nochmal, ich nickte aber erstmal gut weg und wurde erst kurz vor der Landung wieder wach. Nun musste es etwas zügig gehen, denn bis Anpfiff blieben noch 90 Minuten.
Die Einreise verlief easy und auch die ersten Lewa waren fix besorgt. Um der Taximafia aus dem Weg zu gehen steuerten wir direkt den Taxischalter an und orderten 2 Taxen bei der Firma OK Taxi. 5 Mitfahrer in einer Karre ist hier nämlich nicht drin. Während die anderen von ihrem Fahrer erfuhren, wo der nächste Supermarkt ist, hörten wir bei passenden Lokalitäten nur ein lautes Kurwa! gepaart mit entsprechenden Gesten 😁 Aufgrund des knappen Zeitpuffers ging es nur zur Butze der anderen 4, wo ich meinen Rucksack reinwarf und wir direkt das nächste Taxi zum Stadion von CSKA orderten. Ja, diesmal tatsächlich nur ein Auto, wo wir uns zu viert reinkuschelten. Für den Weg mal okay und da der Fahrer mit dem entsprechenden Abstand vor den Bullen am Ground anhielt, gab's auch keinen Stress. Auch die beiden Animals (nein, keine Strassenhunde, oder süße Kätzchen) musterten uns zwar, ließen uns aber passieren, so dass dem Kauf der Karte nix im Wege stand. Eine kleine Kasse war geöffnet und die Kassiererin war auch max. 25 Jahre alt und sprach daher gutes englisch. Für 18 Lewa (Wucherpreise!) ging es auf die Tribuna A und Philipp und ich nahmen für 1 Lewa noch je ein Päckchen Sonnenblumenkerne mit. Für jedes 0:0 der Welt gerüstet ging's also rein durch's Tor, an einigen coolen Graffitis der Animals und Offenders vorbei wurde das Stadion betreten, wo direkt die Hoppergebühr gefordert wurde. Na gut, war freiwillig und wir haben auch dankend abgelehnt, kassiert wurde auch nicht vom 2,05 m großen Stiernacken, sondern von einer hübscheren, weiblichen Version.
Problem wie immer: Hätten wir uns mal ne blöde Zeitung mitgenommen... Die Sitze wieder komplett dreckig, voller Kreide und ein weißer Arsch zum Spielende war somit vorprogrammiert wie DSF auf Kanal 1 bei Willi dem LKW-Fahrer.
Das Stadion Bâlgarska Armija ist ein geiles, abgefucktes Teil und versprüht den Ostblockcharme, den man hier erwartet. Die von der Heimkurve gegenüberliegende Hintertorseite gefiel mir am Besten, auch wenn   sie zum Teil durch hässliche Werbebanner geschändet wurde. Dass CSKA überhaupt noch erstklassig und zudem relativ erfolgreich spielt, liegt daran, dass der Verein im letzten Jahr den Startplatz von Litex Lovech "erwarb" und von den verhassten Anhängern von Levski nun natürlich als tot oder gar Litex bezeichnet wird.
Der Zustand wird von den aktiven Fans aber so hingenommen und hindert sie nicht am zahlreichen Erscheinen in der Kurve.
Wie bereits in Belgrad füllte sich der Block auch hier erst unmittelbar vor Spielbeginn und machte direkt Pluspunkte durch eine extrem starke Mitmachquote. Auf Gästefans durften wir komplett verzichten, auch auf dem Rasen war die Heimmannschaft die einzige, die den Ton angab.
Hinter uns saß eine größere Gruppe Engländer (Everton, Bolton,Arsenal) mit denen ich kurz ins Gespräch kam und ihnen den Geschmack von Sonnenblumenkernen erklären sollte. Die Antwort "Salty and nothing else" schien sie so zu begeistern, dass sie sich zur Pause selber mit dem günstigen Snack eindeckten. Nachdem die Animals bereits in Hälfte 1 akkustisch überzeugten, wurde in Hälfte 2 auch optisch was geboten. Neben zahlreichen roten Karten (Papptafeln) wurde ein Ultra hochgezogen, der ebenfalls eine größere Version der Karte emporstreckte. Dazu wurden zahlreiche Bengalen angerissen und gaben somit ein gutes Bild ab. Wem die roten Karten galten, ist leider nicht bekannt, dafür ist mein bulgarisch zu mies...
Rundum aber ein gelungener LP 35 und damit sollte es zum Happy Grill gehen. Sollte... Denn wir schafften es in die falsche Richtung zu laufen, doch bevor der ganze Weg zurück gemacht wurde, grub Mozart ein traditionell bulgarisches Restaurant aus. Und hier zeigte sich einmal mehr, dass bei diesem Hobby mal was schief laufen muss, damit es wieder legendär wird. So fanden wir uns auf einem Geburtstag mit Livemukke wieder und wurden auch direkt in das Event eingebunden. Dazu Kamenitza und Fleischplatte, this is Balkan ❤
Nachdem wir um Mitternacht rausgekickt wurden, trennten sich unsere Wege und ich machte mich auf zu meiner Airbnb-Butze. Herausforderung hierbei: Einchecken ohne Schlüssel, stattdessen per Anruf und danalock App. Bei Anruf öffnete sich die Haustür und meine Wohnung öffnete sich dann per Bluetooth-Verbindung und Knopfdruck. Nach anfänglichen Bedenken, klappte das hier erstaunlich gut und das Reich der Träume war schnell erreicht.